Am 8. und 9. Oktober trafen sich die delegierten Frauen der Landes- und Spitzenverbände und der Verbände mit speziellen Aufgaben zur Frauenvollversammlung in Hannover.

Nach einführenden Grußworten des Präsidenten des DOSB Alfons Hörmann, dem Vorstandsvorsitzenden des LSB Niedersachsens Reinhard Rawe und der Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung des Landes Niedersachsens Cornelia Rundt, eröffnete  Fr. Dr. Tzschoppe, Vizepräsidentin Frauen und Gleichstellung, die Veranstaltung und stellte pointiert dar, dass zwar 40% der Mitgliedschaften im DOSB Frauen und Mädchen bekleiten, diese aber in Führungsgremien nicht im gleichen Maße vertreten sind. Schaut man sich das Tempo der bisherigen Mitgliederentwicklung an, müsste man wohl noch weitere 40 Jahre warten bis sich der Frauenanteil in den Präsidien und Vorständen den Mitgliederzahlen entsprechen würde.

Um die Gleichstellung von Frauen auf der „Entscheiderebene“ voranzutreiben wurde in einem anschließenden Fachforum die Umsetzung einer Geschlechterquote diskutiert.
Die Erarbeitung fand in 3 Gruppen mit folgenden Fragestellungen statt:
1. Welche Argumente sprechen für und gegen eine Frauenquote?
2. Welche Faktoren erschweren oder unterstützen die Umsetzung einer Quote?
3. Welche Maßnahmen oder Strukturen unterstützen die Gleichstellung von Frauen durch eine Quote?
Einige interessanten Ergebnisse dieses Austausches waren folgende: Die Argumente pro und contra Quote waren zahlenmäßig ausgewogen. Ein Argument für die Quote war z.B., dass nur so genügend Druck ausgeübt werden kann, um die Mehrheitsverhältnisse zu ändern.  Dagegen sprach, dass in einigen Verbänden der Frauenanteil in den Vereinen zu gering ist und daher erst an der Basis gearbeitet werden muss. Nichtsdestotrotz wurde herausgearbeitet, dass  obwohl der Begriff „Quote“ zum Teil schon negativ besetzt ist und man besser von einer Zielvereinbarung sprechen solle, die Diskussion und die Umsetzung in der Gesellschaft immer weiter voranschreitet.
Die negativen Faktoren, die die Entwicklung der Gleichstellung der Frauen in allen Bereichen des Lebens und des Sports im Besonderen hemmen sind oft tradierter und struktureller Natur wie z.B. dass sich Frauen die Leitungsarbeit nicht zutrauen, obwohl sie qualifiziert sind, dass die Arbeitsbelastung ein Maß überstreitet, welches „frau“ nicht noch neben Beruf und Familie (den eigenen Sport nicht zu vergessen) bewerkstelligen will und kann, dass Präsidien und Vorstände mit Männern besetzt sind, die eine Frau als Nachfolge für einen Führungsposten nicht in Betracht ziehen würden usw.
Was sollten wir nun alles tun?
Wir sollten gezielt Frauen für Führungspositionen finden. Damit dieses gelingen kann, ist ein transparentes Ausschreibungsverfahren notwendig. Dazu gehört natürlich auch eine Beschreibung des Aufgabenfeldes, der nötigen Qualifikationen und eine Abschätzung des Zeitaufwandes. Den größten Erfolg hat man hierbei durch eine direkte Ansprache und Motivation von geeigneten Frauen. Anreize kann man sicherlich schaffen, indem man die gewünschten Arbeitsbedingungen der Frauen kennt und versucht, diese umzusetzen. Sportpolitische Strategien wie z.B. Satzungsdiskussion in Bezug auf Frauenförderung sollten bis runter auf  Vereinsebene geführt werden.
Wir sollten in unseren Vereinen und Landesverbänden die Frauen stärken, indem wir z.B. die Frauen in unserer Öffentlichkeitsarbeit sichtbarmachen, Netzwerke bilden und pflegen und für die Mitarbeit in Gremien qualifizieren und motivieren. Mentoringprogramme werden hierfür z.B. vom DOSB und den Landessportbünden angeboten.
Nach dieser sehr interessanten Diskussion wurde der Tag mit einem Vortrag von Mona Klare, Führungskräfte-Coach, Schauspielerin und Unternehmerin zum Thema „Scheiter Heiter: Über die Kunst, gelassen mit Fehlern umzugehen“ beendet.
Am Sonntag wurde von Frau Dr. Tzschoppe die „strategischen Eckpunkte zum Themenfeld Gleichstellung im DOSB bis 2020“ vorgestellt.
Die delegierten Frauen tauschten sich darüber anschließen in separaten Sitzungen der Verbändegruppen aus und formulierten Änderungsvorschläge, welche im folgenden präsidialen Teil der Sitzung gemeinsam diskutiert wurden.
Mit großer Mehrheit beschloss die Frauenvollversammlung, dass sich die gleichstellungspoltischen Aktivitäten des DOSB auf die folgenden vier Handlungsfelder konzentrieren sollen:
- Gleichstellung in Führungspositionen
- Förderung von Trainerinnen und Kampfrichterinnen
- Kampf gegen sexualisierte Gewalt
- Geschlechtergerechte Darstellung in den (Sport)Medien.
Zum Abschluss der Veranstaltung wurde darauf hingewiesen, dass die Mitgliedsverbände bitte darauf achten sollten, zur Mitgliederhauptversammlung des DOSB am 3. Dezember in Magdeburg auch Frauen zu endsenden.
Die nächste FVV wird am 29./30. September 2017 in Bremen stattfinden.
 
 
Ines Engelhardt