Traurige Nachricht
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Gedenken für Dr. Erich Reiche am 21. Mai 2011Müncheberg-Eggersdorfvon Horst Brändel
Liebe Frau Reiche, liebe Angehörige, verehrte Trauergäste,
tief bewegt nehmen wir Abschied von Dr. Erich Reiche, unserem langjährigen Vorsitzenden des Ultraleichtflieger-Clubs „Märkische Schweiz“ und Ehrenpräsidenten des Luftsport-Landesverbandes Brandenburg, der am 7. Mai nach langer und tapfer ertragener Krankheit verstorben ist.
Erich war schon in jungen Jahren dem Traum des Fliegens verfallen. Alle verfügbare Literatur der damaligen Zeit sog er in sich auf. Zuerst waren es aus Papier gefaltete Gleiter, mit denen er seine Vorstellungen vom Fliegen in die kindliche Praxis umsetzte. Dann waren es Sperrholz und Leisten, die seinen Flugmodellen die Dimension Höhe und Flugstrecke eröffnete.
Sein innerer Wille zum Fliegen und die lautstarke Propaganda vom „Volk der Flieger“ machten Erich schnell zum jungen Segelflieger. Zuerst in Niederlehme und dann an der damaligen Reichssegelflugschule Trebbin, dem heutigen Verkehrslandeplatz Schönhagen, wo er dann auf dem harten Sitz des SG-38 mit Rutschern, Sprüngen und Hochstarts sein Fliegerleben begann. Jedoch waren die kernigen Gesänge der Fliegerjugend bald zu Ende, was folgte, waren der Zusammenbruch aller Ideale, unsagbares Leid am Ende des 2. Weltkrieges, Not und Verzweiflung.
Nach dem Sturm der Geschichte musste auch Erich versuchen, neue Wurzeln zu schlagen, Bildung zu erlangen und berufliche Perspektiven zu finden. Der Anfang war schwer. Harte berufliche Belastungen und Zerwürfnisse mit GST-Funktionären aus der Frühzeit der DDR behinderten seine Ambitionen, im Segelflug erneut aktiv zu werden.
Erst 1990, nach der Wendezeit, führte seine Sehnsucht zum Fliegen ihn zunächst zum Flugplatz Fürstenwalde, dann entdeckte er das rührige Geschehen am Flugplatz Müncheberg-Eggersdorf. Neben den Segelflugzeugen waren da auch noch die sperrigen Fluggebilde des noch in den Kinderschuhen steckenden Ultraleichtfluges. Sofort war er Feuer und Flamme. Rolf Bausewein und Jens Brändel wurden seine Fluglehrer. Lang gehegte Wünsche und Träume gingen in Erfüllung. Sein erster Auslandsflug, dann schon mit komfortablerem Flug-gerät, ging mit Gleichgesinnten im Gruppenflug nach Litauen. Es war ein tiefgreifendes Erlebnis für alle Beteiligten.
Erich ging es aber nicht nur um sich selbst und seine fliegerische Erfüllung. Er war der Initiator zur Bildung des Ultraleichtflieger-Clubs „Märkische Schweiz“. Als Gründungsmitglied Nummer 1 war er bis zuletzt der Vorsitzende des Vereins. All die Jahre konnte sich die Ultraleichtflieger-Gemeinschaft in Eggersdorf stabil behaupten und ihren Sport betreiben. Mit besonderer Zuwendung förderte er die freundschaftlichen Beziehungen zu den dänischen Ultraleichtfliegern. Im jährlichen Wechsel wurde das gemeinsame Fliegen organisiert und die empfangene Gastfreundschaft war für alle Beteiligten immer ein schönes Erlebnis. Zum großen Sportereignis wurde das unter Leitung von Erich veranstaltete Internationale Oldtimer-Segelflugzeugtreffen hier am Flugplatz 2005. Bei den folgenden Treffen spricht man noch immer gern von den Begegnungen in Eggersdorf und drückt seine Hochachtung für das damals Erlebte aus. Schon von der schweren Krankheit gezeichnet, erlebte er mit Klaus Wonneberger im Segelflugzeug-Doppelsitzer bei einem Fünfstundenflug das berauschende Gefühl des lautlosen Gleitens über seiner Brandenburger Heimat.
Mit der sportlichen Herausbildung des Ultraleichtfluges wurde Erich zum Referenten dieser neuen Sportart in den Luftsport-Landesverbandes Brandenburg berufen und nahm seinen Platz im dortigen Präsidium ein. Seine Meinung war gefragt und sein Vorwärtsdrang bei allen Problemen zu spüren. Erich war immer Motor, Triebwerk - wie die Flieger sagen. Die Mitglieder des Landesverbandes wählten Erich zum Vize-Präsidenten und nach dem Tod Od Arnold´s im Juni 2000 übernahm er das nicht leichte Amt als Präsident des Landesverbandes.
Wir verlieren mit Erich einen Menschen, der mit großem Engagement seine Ehrenämter aus-führte und stets bemüht war, der ihm übertragenen Verantwortung gerecht zu werden. Was er in die Hände nahm, verfolgte er hartnäckig und zielstrebig. Dabei gelang es ihm, im Interesse des Luftsports viele aktive Kräfte zu mobilisieren und zusammenzuführen. Die letzten Jahre seiner Amtszeit waren geprägt von großen Diskussionen und Spekulationen über die Entwicklung im gesamten Luftsport. Auch die Auswirkungen der Finanzkrise und der wirtschaftlichen Situation in Deutschland machten sich bei der Bezahlbarkeit des Luftsports und der Erhaltung der Flugplätze für die Vereine zunehmend bemerkbar. Seine persönliche Ausstrahlung und seine zielstrebige Zusammenarbeit mit den Ministerien, den kommunalen Behörden und potentiellen Sponsoren hat dazu beigetragen, dass auch unter diesen Umständen weiter Luftsport in Brandenburg betrieben werden konnte, viele luftsportliche Höhe-punkte auf nationaler und internationaler Ebene abgesichert wurden und die Vereine und der Landesverband wirtschaftlich autark blieben.
Immer wieder suchte er nach Wegen, um den gemeinsamen Konsens zu finden. Wer ihn näher kannte, fühlte, dass er dabei nicht nur seinen großen Verstand und seine umfangreichen Erfahrungen aus der Finanzwirtschaft einbrachte, sondern auch mit ganzem Herzen dabei war. Nie ging es ihm darum, seine ganz persönliche Meinung durchzusetzen, sondern immer darum, den Luftsport zu erhalten und zu fördern.
In diesen schwierigen Zeiten wollte er möglichst nichts zurück lassen, das den Verband und seinen Nachfolger als Präsident belasten könnte, weil Probleme im Landesverband noch nicht zu Ende ausgeräumt waren. Auch deshalb legte er sein Amt nicht vorzeitig nieder, als er das erste Stadium seiner schweren Erkrankung schon durchlitten hatte. Bewegt verfolgte er die Vorbereitungen zur letzten Mitgliederversammlung des Landesverbandes vom Krankenbett aus. Bis zuletzt hoffte er, vor diesem Gremium noch einmal ganz persönlich Rechenschaft ablegen zu können. Es war ihm nicht vergönnt und erleichtert nahm er zur Kenntnis, dass ein Nachfolger gefunden und Karsten Heilek die Geschäfte übernommen hatte.
Wir verlieren mit Erich einen vorbildlichen Sportfunktionär, der nicht so schnell zu ersetzen sein wird. Wir verneigen uns vor seinen Leistungen, die mehrfach mit hohen Auszeichnungen gewürdigt wurden. Zu seinem 80. Geburtstag erhielt er die „Goldene Ehrennadel“ des DaeC. Zwei Wochen vor seinem Ableben nahm er zu Hause noch sichtlich gerührt die „Ehrennadel des Landessportbundes Brandenburg in Gold“ und die Urkunde über die Ehrenpräsidentschaft des Luftsport-Landesverbandes in Empfang, womit er zur Mitgliederversammlung in Abwesenheit geehrt worden war.
Seiner Familie sprechen wir unser tief empfundenes Beileid aus, bedanken uns sehr für ihr großes Verständnis, das sie für seine umfangreiche ehrenamtliche Arbeit aufgebracht hat und wünschen seiner Frau, den Kindern und Enkeln von Herzen viel Kraft, um den schweren Verlust zu verwinden.
Keiner wird gefragt, wann es ihm recht ist, Abschied zu nehmen von einem Menschen. Plötzlich heißt es damit umzugehen, ihn aushalten, annehmen, diesen Abschied, diesen Schmerz. |
